Klötzer Moor- und Waldtour (KMW)

Im Biosphärenrenreservat Drömling wurden im letzten Jahr einige neue Radwegrouten für Interessierte, Sportbegeisterte und Besucher*innen des Drömling erstellt. Eine davon ist die „Klötzer Moor- und Waldtour“, welche durch die Altmark in Klötze und den Norddrömling führt. Eine der wichtigsten Stationen auf dieser Route ist Böckwitz mit dem Grenzmuseum und dem Grenzlehrpfad am östlichen Ende.

Los geht der Radrundweg im Erholungsort Klötze. Dieser liegt mitten in der Altmark und wurde 1311 das erste Mal schriftlich erwähnt. Heute zählt Klötze etwa 10.000 Einwohner*innen. Sehenswert ist dort der Tierpark „Arche Noah“, im Sommer lockt das örtliche Freibad. Außerdem bekannt ist der Ort für seine Karnevalsumzüge im November und Februar ebenso wie der Nachbarort Immekath. Auch das Spargel- und Besenbinderfest wird in Klötze alljährlich gefeiert.

Von Kötze aus geht es mit dem Rad in südliche Richtung durch den Klötzer Forst: Diese Region hat ihren Ursprung in der Weichselzeit. Die hügelige Endmoränenlandschaft weist einen hohen Reichtum an Nadel- und Laubwäldern auf, in welchen der Frühling wohl mit den wärmeren Temperaturen in den nächsten Monaten Einzug erhalten wird.

Nach einiger Zeit unterwegs erreicht man Quarnebeck, ein kleines Rundlingsdorf mit mittelalterlicher Dorfkirche. Das dort stattfindende Sängerfest unter der Rotbuche jeden Sommer lockt viele Menschen. Mit Verlassen des Ortes betritt man auch schon das Vogelschutzgebiet „Feldflur bei Kusey“ und damit das Biosphärenreservat Drömling. Der Drömling, welchen man wegen der 1.725 km Wasserläufe auch „Land der tausend Gräben“ nennt, war ursprünglich war er ein großflächiges Versumpfungsmoor. Vor etwa 200 Jahren wurde es auf Drängen der Drömlingsbauern durch Erlass Friedrich des Großen entwässert. Die Landschaft der zahlreichen Äcker und Wiesen ist durchzogen von den prägenden Stichgräben des Norddrömling. Diese wurden nach der von Theodor Rimpau benannten Rimpau´schen Moordammkultur angelegt. 1847 wurde Rimpau Besitzer des Rittergutes Kunrau. Durch Wissensaustausch mit Drömlingsbauern entwickelte Rimpau 1862 eine Form der Moormelioration, bei der 5 Meter breite Entwässerungsgräben in einem Abstand von 25 Metern gegraben wurden. Auf die Zwischenflächen wurde Sand aufgetragen, wodurch die namensgebenden Dämme entstanden. Die landwirtschaftliche Technik ist der Grund für die charakteristische Eigenart des Norddrömling. Heute bietet dieses Gebiet Lebensraum für viele Pflanzen und Lebewesen. Vor allem für Wasservögel und andere Tiere, die auf Wasser als Lebensraum angewiesen sind, gibt es zu entdecken. Gerade im Frühling lassen sich viele Vogelbrutpaare zum Nisten und Aufziehen Ihrer Küken nieder. Darüber hinaus ist diese Landschaft Rückzugsgebiet für über 400 Arten der in der Roten Liste enthaltenen bedrohten Tiere und Pflanzen. Das ist einer der Gründe, warum der Drömling vielfach unter Schutz steht.

Ab Trippigleben geht es mit dem Rad in westlicher Richtung durch das Schutzgebiet, bis man auf den Drömingsrundweg stößt, welchem man ein Stück folgt. Dabei wird das Dorf Jahrstedt passiert und weiter geht´s bis zur ehemaligen deutschen Grenze, heute die Grenze zum Bundesland Niedersachsen. In Böckwitz ist die Grenzgeschichte deutlich spürbar gewesen, da mit der Mauer ab 1961 das vorher eng verbundene Doppeldorf Böckwitz-Zicherie getrennt wurde. Das Buch „Weit ist der Weg nach Zicherie“ von Heinrich Thies stellt dies eindrücklich dar.
Lohnenswert ist in Böckwitz ein Besuch Grenzmuseum, welches mit einem Wechsel des Vorstandes im letzten Jahr am Überleben gehalten wurde und sich mit dem Thema der deutschen Teilung beschäftigt. Das Museumsgelände ist ein alter Bauernhof. Im Sommer 2020 wurden viele Arbeitseinsätze ins Leben gerufen, um das Museum neu instand zu setzen. Darunter wurde der Bauerngarten mit dem Aufwand einiger freiwilliger gepflegt, das Backhaus eingerichtet und geführte Radtouren sowie Wanderungen organisiert. Das Museum will ein Ort der Begegnung sein und auch über den Naturraum Drömling und die Grenzgeschichte informieren. Es hat ab dem Frühjahr immer sonntags von 14 – 17 Uhr geöffnet. Im Backhaus sollen Lesungen, Vorträge und Workshops sowie Begegnungscafé stattfinden. Für Wanderungen und Radtouren kann man sich im Vorhinein anmelden und mehr über das Grüne Band oder das Doppeldorf Böckwitz-Zicherie erfahren.
Allein kann man während der Radroute gut den Grenzlehrpfad verfolgen. Er führt vorbei am ehemaligen Grenzbeobachtungsturm und chronologisch gestaffelten Grenzanlagen, die die geschichtliche Entwicklung der Absperrungen zwischen Böckwitz und Zicherie aufzeigen. Zuletzt kommt man an der Europawiese mit dem dort gesetzten Europastein vorbei.

Böckwitz liegt nicht nur an der innerdeutschen Grenze, sondern auch an der Grenze zum Schutzgebiet Drömling. Dieses verlässt der Radweg nun und führt weiter durch die Dörfer der Altmark. Die Altmark ist eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands und besteht aus landwirtschaftlich geprägtem, aber auch naturnahem Tiefland mit Wäldern und Heide. Die Route führt durch das Dorf Steimke wieder zurück in Richtung Osten. Ab Neurappin folgt man der Jeetze über Schwarzendamm nach Immekath. Unterwegs kann man einige alte Wasser- oder Windmühlen entdecken und passiert Bauernhöfe in Fachwerkarchitektur. In Immekath gibt es gleich zwei exemplarische Kirchen der Backsteingotik zu sehen, die für diese Gegend so typisch sind. Oft besitzen diese noch erhaltene romanische Kirchtürme.

Die nächste Station auf dem Rundweg ist dann auch schon wieder Klötze und damit das Ende der Tour durch die Altmark und den Norddrömling.