Stand up History mit dem Historiker Dr. Thomas Dahms
Standup History in der Geschichtswerkstatt Wegenstedt
Der Historiker, Dr. Thomas Dahms, aus Wolfenbüttel hat in einem lehrreichen Vortrag „Kleiner Mann – was nun“ am vergangenen Wochenende einen kurzweiligen Einblick in vier Generationen gegeben.
Hierzu eingeladen hatte das UNESCO-Biosphärenreservat Drömling im Rahmen der Veranstaltungsreihe KulturNaturPur.
Kein anderer Ort eignete sich für diese Auftaktveranstaltung so gut, wie die Geschichtswerkstatt Wegenstedt.
Ein großes Dankeschön für die Organisation geht an die Geschichtswerkstatt und die Kirchengemeinde Wegenstedt sowie an den Ortsteilbeauftragten, Hartmut Sonnenschein.
Dr. Dahms beschrieb eindrucksvoll, wie uns unsere letzten zwei Generationen, die man auch als Gedächtnis-Generationen beschreibt, geprägt haben.
Viel Armut, Hungersnot und Leiden gab es in den letzten 200 Jahren.
Was gab es allein in den letzten 100 Jahren alles zu überstehen: erster Weltkrieg, Steckrübenwinter 1917/18, Spanische Grippe 1918, Spartakus-Aufstand 1919, Hitler-Putsch, 1923, Inflation bis 1923, ein weiterer Weltkrieg …
Doch unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern haben das ertragen, haben durchgehalten, haben das für uns möglich gemacht.
Vor 200 Jahren arbeiteten die meisten Menschen in der Landwirtschaft, vor 100 Jahren in der Industrie und heute vorwiegend im Dienstleistungsbereich. Das ist aufgrund seiner Ausführungen sehr deutlich geworden.
Unter anderem erzählte Herr Dr. Dahms von der (gescheiterten) Revolution 1848/49.
Nach blutigen Barrikadenkämpfen trat die erste deutsche Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt/Main zusammen, scheiterte jedoch 1849 an der Ablehnung durch die Fürsten, insbesondere Preußen, und innerer Spaltung.
Herr Dr. Helmut Mewes aus Wegenstedt erzählte, dass 1850 eine unabhängige preußische Separationskommission nach Wegenstedt kam. Diese Kommission reiste mehrere Jahrzehnte von Dorf zu Dorf und bezog Betroffene mit ein.
Dabei wurden in Wegenstedt in dem Jahr zwei Hofstellen, die pleite gegangen waren, an Handwerker und „kleine Leute“ in Wegenstedt und umliegende Dörfer aufgeteilt, damit diese die Flächen bewirtschaften und ihr Vieh dort weiden lassen konnten. Nach nur zwei Jahren bekam die Gerechtigkeit mehr Spielraum, indem auch „kleine Leute“ etwas abbekommen haben.
Herr Dr. Dahms bezeichnete dieses Ereignis als etwas Besonderes und hob damit Wegenstedt als Hauptstadt der Separation 1850 hervor.
Die etwa 30 Besucher lauschten interessiert den Worten von Herrn Dr. Dahms, der sie in vier Schritten von der Vergangenheit in die Zukunft führte. Er hat es gut verstanden, Aufmerksamkeit zu erregen und sein historisches Wissen an jeden Teilnehmer zu vermitteln.
Seit 2008 ist er auch Betreiber des Verlages ostfalia in Osterwieck und schafft mit inzwischen 22 erschienenen Comics zur Geschichte einen weiteren Zugang zur geschichtlichen Wissensvermittlung für Jedermann.
Am Ende ermutigte Herr Dr. Thomas Dahms noch einmal ausdrücklich, sich an die geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, die für unsere Vorfahren nicht leicht waren. Sie sollten uns Vorbild sein und bleiben. Die Prägung, die sie uns mitgegeben haben, sollten wir bewahren und für unser doch so angenehmes Leben dankbar sein, auch wenn es nicht immer leicht scheint.
Dies sollte der erste Teil einer Vortragsreihe im Rahmen des Standup History sein, weitere werden folgen, gern auch an anderen Veranstaltungsorten. Bei Interesse melden Sie sich gern in der Verwaltung des Biosphärenreservates oder per Mail: sabine.wieter@biores.mwu.sachsen-anhalt.de.

