Auf dem Weg zum UNESCO-Biosphärenreservat

Auf dem Weg zum UNESCO-Biosphärenreservat

Der Drömling ist eine historische Kulturlandschaft, die einst gegen Ende des 18. Jahrhunderts urbar gemacht wurde. Aus der damaligen Grenzlage zwischen Brandenburg/Preußen im Osten und dem Herzogtum Braunschweig sowie dem Kurfürstentum Hannover im Westen ergaben sich langwierige Verhandlungen zur Entwässerung des Niedermoors zwischen den drei Ländern, die zunächst scheiterten. So wurde auf Befehl Friedrich II. ab 1786 zunächst nur der preußische Drömlingsteil landwirtschaftlich nutzbar gemacht, erst mit einem Staatsvertrag von 1859 folgten die heutigen niedersächsischen Drömlingsflächen. Zur Zeit der deutschen Teilung hatten sich im Drömling wertvolle Rückzugsgebiete für zahlreiche Feutchgebietsarten erhalten. Unter anderen profitierten die letzten Kranichpaare vom Betretungsverbot im Erlenbruchwald des Sperrgebietes.

Schon vor der Wende gab es Kontakte zwischen der Fördergemeinschaft Drömling im Osten und der Arbeitsgemeinschaft Drömling im Westen, die nach der Grenzöffnung schnell vertieft wurden und zur Gründung des länderübergreifenden Vereins „Aktion Drömlingschutz“ führten. Gemeinsam diskutierten die ehren- und hauptamtlichen Naturschützer beider Länder damals die Ausdehnung des in Sachsen-Anhalt mit dem Nationalparkprogramm der DDR 1990 ausgewiesenen Naturparks auf niedersächsisches Gebiet. Hierfür fand sich aber kein Konsens, da der Schutzstatus Naturpark im Westen zu sehr mit einer touristischen Ausrichtung und weniger mit Naturschutz-Inhalten verknüpft wurde. Dies war der Hauptgrund für den schon 1993 gefassten gemeinsamen Kabinettsbeschluss beider Länder, den Drömling als UNESCO-Biosphärenreservat zu entwickeln. Allerdings gab es dann nur von Seiten Sachsen-Anhalts einen „Vorantrag“ an das MAB-Nationalkomitee, welches sich daraufhin deutlich zu den Erfolgsaussichten nur bei einer gemeinsamen Antragstellung mit Niedersachsen äußerte. Da dies in der Folge nicht gelang, liefen die beiden Landtagsbeschlüsse für ein Biosphärenreservat in Sachsen-Anhalt von 1993 und 1996 ins Leere. In Niedersachsen wurde seinerzeit der Start eines Naturschutzgroßprojektes, wie es in Sachsen-Anhalt seit 1992 lief, sehr kontrovers diskutiert und alle Kraft des Naturschutzes in dessen Gelingen investiert.

Erst nach Abschluss beider Naturschutzgroßprojekte im Jahr 2012 wurde die gemeinsame Vision eines länderübergreifenden Biosphärenreservates wieder aufgegriffen. Dies geschah einerseits von amtlicher Seite mit dem Bestreben, die langjährige gute Zusammenarbeit bei der Umsetzung der vielen Naturschutzmaßnahmen und vor allem des gemeinsamen Wassermanagements fortzusetzen. Aber auch von den zahlreichen Akteuren aus dem ehrenamtlichen Bereich, betroffenen Bürgern und selbst von wirtschaftlichen Unternehmen wurde auf der gemeinsamen Abschlussveranstaltung 2013 der Wunsch geäußert, künftig ein einheitliches Großschutzgebiet zu entwickeln. Von beiden Landesregierungen wurde dann im März 2014 insoweit Rechnung getragen, als die Einrichtung einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Biosphärenreservates unter Einbeziehung der kommunalen Ebene beschlossen wurde.

In einem anschließenden intensiven öffentlichen Diskussionsprozess mit den Kommunen und ihren politischen Vertretern sowie mit Verbänden, Vereinen und Bürgern wurde das „Eckpunktepapier Auf dem Weg zum Biosphärenreservat Drömling“ als gemeinsame Willensbekundung der Region erarbeitet und im April 2016 veröffentlicht. Auf dessen Grundlage erfolgte 2016 die Abfrage der am UNESCO-Biosphärenreservat Drömling beteiligten Kommunen in beiden Bundesländern, welche bis Anfang 2017 alle ein positives Votum zur Entwicklung zum Biosphärenreservat abgaben. Auf der gemeinsamen Informationsveranstaltung am 29. März 2017 in Parsau bekundeten beide Umweltminster*innen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt die Absicht, einen gemeinsam Antrag auf UNESCO-Anerkennung zu stellen.

Parallel war bereits eine Vorabstimmung mit dem BMU und dem deutschen MAB-Nationalkomitee zu einer gemeinsamen Antragstellung begonnen worden. Nach einer Bereisung des Drömlings durch Vertreter*innen des MAB-NK im November 2016 und mehreren Beratungsterminen wurden die weiteren Schritte auf dem Weg  bis zur Anerkennung besprochen.

In Sachsen-Anhalt wurde im Oktober 2018 das öffentliche Beteiligungsverfahren zur Verordnung über das Biosphärenreservat Drömling Sachsen-Anhalt eingeleitet. Die 45 eingegangenen Stellungnahmen, von denen keine eine grundlegende Ablehnung des Biosphärenreservates beinhalte, wurden in der verfahrensführenden Behörde, dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt, bearbeitet. Die Verordnung wurde im Juni 2019 veröffentlicht. Außerdem wurde der Abschluss einer Verwaltungsvereinbarung zwischen beiden Bundesländern und die Erarbeitung des gemeinsamen Antrages auf UNESCO-Anerkennung unterzeichnet. Dieser Antrag wird zur Zeit erarbeitet, so dass 2021 mit der Anerkennung des Drömlings als UNESCO-Biospärenreservat zu rechnen ist.

Das künftige länderübergreifende Biosphärenreservat wird ca. 38.500 ha zählen. Der Anteil auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts umfasst dabei rund 34.000 ha und findet sich in den Einheitsgemeinden Stadt Klötze und Hansestadt Gardelegen des Altmarkkreises Salzwedel sowie den Einheitsgemeinden der Stadt Oebisfelde-Weferlingen und der Stadt Haldensleben sowie der Gemeinde Calvörde in der Verbandsgemeinde Flechtingen des Landkreises Börde. Die Fläche in Niedersachsen bezieht sich auf ca. 4.500 ha in den Landkreisen Gifhorn und Helmstedt sowie der Stadt Wolfsburg. Natur kennt keine Grenzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abkürzungen

BioRes                  Biosphärenreservat

MAB                     Men an biosphere

MAB-NK              MAB-Nationalkomitee

 

Symbol Beschreibung Größe
190625_PM_Droemling_Biosphaerenreservat_98.pdf
0.1 MB
BioResDrömlV_ST.pdf
0.7 MB
Verordnung über das BioRes Drömling Sachsen-Anhalt_22. Juni 2019.pdf
0.8 MB
Verordnung über das BioRes Drömling Sachsen-Anhalt_22. Juni 2019_Anl 1.pdf
0.6 MB
Verordnung über das BioRes Drömling Sachsen-Anhalt_22. Juni 2019_Anl 2.pdf
0.1 MB

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